Bundesseminar 2011 Leipzig
VelsPol setzt Zeichen für Vielfalt
Das Bundesseminar 2011 Leipzig markierte einen Meilenstein in der Geschichte von VelsPol Deutschland. Vom 7. bis zum 10. Juli 2011 versammelten sich lesbische und schwule Polizeibedienstete aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland in der sächsischen Metropole. Es war das 18. Seminar dieser Art und bot erstmals eine feierliche Eröffnung im Leipziger Rathaus.
Prominente Unterstützung und Schirmherrschaft
Ein besonderes Highlight war die Schirmherrschaft des bekannten Schauspielers Jaecki Schwarz. Vielen ist er als Hauptkommissar Schmücke aus der MDR-Serie „Polizeiruf 110“ bekannt. Sein Engagement ging über die reine Repräsentation hinaus: Jaecki Schwarz ist mittlerweile Ehrenmitglied im VelsPol Landesverband Berlin-Brandenburg und unterstützt die Anliegen des Verbandes kontinuierlich.
Die Eröffnungsveranstaltung im Rathaus wurde zudem durch den Ordnungsbürgermeister der Stadt Leipzig und den Polizeipräsidenten der Polizeidirektion Leipzig begleitet, was die wachsende Bedeutung des Themas in der Verwaltung unterstrich.
Die Kernfrage: Brauchen wir VelsPol noch?
In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde beim Bundesseminar 2011 Leipzig intensiv über die Rolle des Verbandes diskutiert. Die Analyse ergab ein gemischtes Bild:
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Regionale Unterschiede: Während in einigen Ländern die Strukturen stark sind, gibt es in Bundesländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder dem Saarland noch keine eigenen Landesverbände.
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Politische Diskrepanzen: Es wurde festgestellt, dass gleiche Regierungskoalitionen in verschiedenen Bundesländern nicht automatisch zu gleicher rechtlicher Anerkennung führen.
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Notwendigkeit: Da die Polizei ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, bleibt VelsPol als Mahner und Interessenvertretung unverzichtbar. Der Verband muss weiterhin „den Finger in die Wunde legen“, um echte Gleichberechtigung zu erreichen.
Fachvorträge: Von Transsexualität bis zum Beamtenrecht
Die Themenvielfalt des Seminars war beeindruckend und deckte zahlreiche Aspekte des Dienstalltags und der Gesellschaft ab.
Transsexualität und Homophobie
Referent Leo Wild von der Schwulenberatung Berlin gab fundierte Einblicke in das Thema Transsexualität. Als „Außenstehender“ mit engen Kontakten zu den Berliner Ansprechpartnern für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AGL) konnte er zudem wertvolle Perspektiven zur Homophobie innerhalb der Polizei aufzeigen.
Fortbildung als Schlüssel zum Erfolg
Thomas Ulmer, der damalige Bundesvorsitzende von VelsPol Deutschland, leitete Workshops zum Thema Fortbildung. Das klare Ergebnis: Homosexualität muss deutschlandweit als fester Bestandteil unter dem Oberbegriff Diversity in die Polizeiausbildung integriert werden. Ein entsprechendes inhaltliches Konzept wurde vor Ort erarbeitet.
Rechtliche Gleichstellung und Antidiskriminierung
Antje Goll von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellte deren Arbeit vor. In der anschließenden Diskussion wurde die Behörde kritisch als „zahnloser Tiger“ hinterfragt, da ihre Möglichkeiten zum praktischen Vorgehen gegen Diskriminierung als begrenzt wahrgenommen wurden.
Zudem informierte Katharina Doumler vom LSVD Deutschland ausführlich über die beamtenrechtlichen Unterschiede zwischen Bund und Ländern sowie aktuelle politische Vorhaben zur Gleichstellung.
Homosexualität im Sport: Tabus brechen
Ein weiterer Schwerpunkt beim Bundesseminar 2011 Leipzig war die Welt des Sports.
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Gerhard Eiserbeck, Präsident der „Hertha Junxx“ und selbst Polizeibeamter, berichtete über seine Erfahrungen als offen schwuler Fußballfan. Er betonte die positive Entwicklung beim Hertha BSC, wo Akzeptanz mittlerweile zur Normalität gehört.
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Tanja Walther-Ahrens, ehemalige Bundesligaspielerin und Autorin, beleuchtete das Thema Homophobie im Profifußball. Trotz statistischer Wahrscheinlichkeiten ist Outing im Profibereich – sowohl bei Männern als auch bei Frauen – noch immer ein großes Tabuthema, geprägt von Leistungsdruck und traditionellen Rollenbildern.
Fokus Sachsen: Die Initiative 2 = 2
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Situation in Sachsen. Die Initiative 2 = 2, vertreten durch Christian Richter und Sebastian Manzke, berichtete über rechtliche Defizite. So wurden beispielsweise Belehrungsformulare für das Zeugnisverweigerungsrecht eingetragener Lebenspartner in Sachsen lange Zeit nicht aktualisiert. Die Initiative kämpft für die Durchsetzung der Rechte von Homosexuellen im Freistaat und wird dabei tatkräftig von VelsPol unterstützt.